Umbauen

Ein Handwerker beim Umbau.
Ein Handwerker beim Umbau.

Der Umbau als Phänomen ist viel allgemeiner als dass es sich auf das Bauen beschränken ließe.

Umbauen, wie wir es verstehen, ist ein Prozess, ein Werden. Ohne den Vorgang des Umbaus würde menschliches Leben / Wohnen gar nicht existieren und letztlich auch nicht funktionieren. Es ist ein dauerhaftes Bewahren und Verändern, ein Altes und Neues, ein Aufbauen und ein Abbrechen oder Verfallen, das die Dynamik dieses Prozesses auszeichnet.

Es geht also in erster Linie um einen Prozeß in dem etwas untergeht und etwas Neues entsteht. Oder anders gesagt: das Alte dialektisch verbunden ist mit dem Neuen und das Bewahren das Verändern beeinflusst und umgekehrt. Und obwohl wir als Architekten dem Fortschritt verpflichtet sind, liegt der Schwerpunkt unseres Bauschaffens auf der Verbindung von Altem (Bewahren) und Neuem (Verändern).  Und ganz wichtig dabei: Die Veränderung ist nur erlaubt, wenn Sie Verbesserung bringt. (Adolf Loos)

Die architektonische Beschäftigung mit dem UMBAU, mit der Verbindung von Altem und Neuem, ist für uns Programm und damit  zum Büronamen geworden. Als Architekten arbeiten wir planerisch im Bestand, weil es drei entscheidende Vorteile hat. Der Bestand ist das größere Bauvolumen. Die architektonische Beschäftigung mit dem Alten und dem Neuen erfordert zusätzliches Wissen und Kompetenz.  Die Spielräume für Auftraggeber wie für uns als Architekten sind größer als im Neubau. Seit über 20 Jahren planen wir gestalterisch leise Umbauten.

Dies tun wir im Gegensatz zu vielen Architektinnen und Architekten, die sich immer noch gestalterisch lautstark durch Neubauten zu Worte melden und die sich nach wie vor der Moderne verpflichtet fühlen, ignorierend, dass die Moderne lange historisch ist. 

Als Architekten, die wir Nachhaltigkeit als Lebensform begreifen und diese zu einer eigenen Haltung durch unser langjähriges Tun gefunden haben, sind  für uns vor allen Dingen die folgenden Aspekte / Gegenstandsbereiche, die uns bei unserem täglichen Tun aber auch jenseits des Tagesgeschäftes, als Profis für Gestaltung, für Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) und Baukonstruktion begegnen uns immer wieder ein  Überdenken, ein Nachdenken abfordern.

Es sind dies:

  • Die Gesellschaft
  • Die Nachhaltigkeit
  • Die Stadt
  • Der Raum
  • Das Entwerfen
  • Der Grundriss
  • Die Baukonstruktion

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Der soziale Aspekt

Gerade im Einfamilienhausbau war und ist die „Ideologie“ des Architekten selten umgesetzt, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Das sind allerdings Einzelfälle, die  nichts mit einer Massenerscheinung zu tun haben.

Die Nachhaltigkeit 

Der Aspekt der Stadt

Man könnte auch sagen ob und wie der Architekt mit dem Aspekt der Stadt an dem einzelnen Gebäude oder der Gebäudegruppe umgeht, lässt Rückschlüsse zu auf seine Haltung wie er das Gebäude entwirft.

Die Großstadt des 19. Jahrhunderts ist neben Vielem anderen ein Werk verschiedener Maßstäbe. Zunächst ist sie ein Netz der Verkehrserschließung, durch die die Bebauung (z. B. in Baublöcken) strukturiert ist oder auch nicht. (Underground)

Sie ist aber auch eine Addition von Häusern (Baustrukturen).  Die individuelle Nutzung in Form von Geschäften, Cafés, Wohnungen und Werkstätten (technisch und rechtlich von den erst genannten Maßstäben unterschieden) ist schließlich der dritte und kleinste Maßstab.

Der Zusammenklang der nebeneinander bestehenden Maßstäbe erzeugt Einheit (Ordnung) und Vielfalt. Jeder dieser Maßstäbe ist die Ausformung, die Spezifizierung, die Grundlage des nächst größeren. Ordnung entsteht durch die Entscheidungen in den größeren, Vielfalt durch die Entscheidungen in den kleineren Maßstäben. 

Zu den verschiedenen Maßstäben gehören verschiedene Zeithorizonte und -fenster. Die Entscheidungen in den jeweils größeren Maßstäben sind längerfristig als die in den kleineren. Es gilt die Gleichzeitigkeit des Ungleichartigen und die Ungleichzeitigkeit des Gleichartigen.

Die Haltung des Architekten zu der Stadt wird deutlich ob und wie er die großmaßstäblichen Vorgaben aufnimmt oder nicht und in seine kleinmaßstäbliche Nutzung mit einbezieht. Oder ob er Übergangsbereiche gestaltet, die z.B. das Private der Wohnung von dem Öffentlichen der Straße durch ein Bindeglied des „Dazwischen“ des  „in-between" verbindet.

Der Aspekt des Raumes

Die „Interventionen" (Eingriffe) an bestehender Bausubstanz sollen keine Ausdeutungen sein, sondern Umdeutungen/Anpassungen, nicht Ausbauten, sondern Umbauten. Eine solche Art von Umbau geht an die Bau-Substanz, indem er sie in Frage stellt, aber eben nicht, indem er sie beseitigt.

Es geht letztlich darum neuen Raum zu schaffen und Raum für die neuen Nutzer zu lassen. (Herman Hertzberger)

Die Eingriffe lassen sich wenigen Motiven zuordnen.

  • Schaffung von Übergangs- oder Zwischenbereichen von privat zu öffentlich (Städtebau)
  • Verstärkung und Freilegen der Tragkonstruktion (Baukonstruktion)
  • Reduzierung der Inneren - Wandhöhen (Tageslicht)
  • Rückbau von abgehängten Decken (Raum)
  • Reduzierung der „Dachflächen-Verletzungen" (Gauben, Dachflächenfenster, Sanitärrohre etc.) Auskragen der Dachkonstruktionen, Ausbildung gläserner Firste, neue Dachdeckungsmaterialien (Einfachheit)

Landläufig und als Klischee und erst recht unter Architekten besteht nach wie vor das Vorurteil, dass der Umbau etwas Minderwertiges ist im Vergleich zu dem Neubau. Das hat offensichtlich etwas mit dem Missverständnis zu tun, dass ...

Der Umbau ist nicht etwa dem Neubau durch Kompromiss unterlegen, sondern die Elemente des Altbaus gehen mit seinen Veränderungen und den neugeschaffenen Elementen eine neue Einheit ein, die ein vollgültiges, eigenständiges Werk dargestellt.

Das Entwerfen oder der methodische Aspekt

 

Das Charakteristikum des Umbaus – wir kehren jetzt zum architektonischen Entwurf zurück – besteht also darin, dass Entscheidungen bereits vorgegeben sind. Macht man sich einmal bewusst, dass jeder Entwurfsprozess eine Entscheidungsreihe darstellt, in der spätere Entscheidungen von früheren bestimmt bzw. beeinflusst sind, so macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob die früheren Entscheidungen eigene oder fremde waren.

Jeder Entwurfsprozess beinhaltet Festlegungen, die von nachfolgenden Gedanken entweder akzeptiert oder umgestoßen werden können  bzw. müssen.

Deshalb ist auch die Möglichkeit der zukünftigen Veränderung durch andere – Nutzer wie Entwerfer – vorstellbar, notwendig und sinnvoll. Es ist eine ... Eine Wohnung ein Haus lebt mit seinen Bewohnern weiter. Das heißt, dass es sich verändern können und eine andere Ethik ertragen können muss. Das ist im Übrigen nicht neu und bezieht sich auch nicht nur auf ästhetische Entscheidungen. Anders gesagt muss das Bauwerk, das Gebäude und auch die Architektur stark genug sein, um als Vorgabe oder als Rahmen zu funktionieren. 

Für uns unverständlich die Architekten, die ihre eigenen Projekte als Kunst begreifen und die Menschen daraus verbannen, ihre Projekte auch so publizieren.

Der Grundriss

Um ein Haus bauen zu können werden Grundrisse, Schnitte und Ansichten gezeichnet. Das war früher so als man eine Zeichnung handwerklich erstellte und das ist auch heute so, wo von den meisten Architekten mit der Unterstützung des Computers (Computer Aided Design /CAD) gezeichnet  wird.

Dabei drückt sich im Grundriss die Zweckmäßigkeit / Nützlichkeit eines Hauses aus, in den Schnitten die Stabilität / die Konstruktion / das Material und in den Ansichten die Anmut / Schönheit des Hauses. Diese Begriffe sind bereits durch und seit Vitruv (Marcus Vitrivius Pollio), dem römischen Architekten, Ingenieur und Schriftsteller, bekannt. Von ihm stammen die Begriffe: utilitas (Zweckmäßigkeit), firmitas  (Stabilität) und venustas (Anmut). Das ist gut 2000 Jahre her.

Im Grundriss zeigt sich die Nützlichkeit oder die Zweckmäßigkeit eines Hauses für seine Benutzer. Aus diesem grundlegenden Satz lässt sich ableiten, dass es nicht die Wahrheit und das Richtige bei der Zweckmäßigkeit gibt. Denn jeder Benutzer hat sehr unterschiedliche, andere Lebensbedingungen und entsprechend andere Ziele, eben sein anderes Leben.

Der Aspekt der Baukonstruktion

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