Nachhaltiges Bauen

Wohn- und Geschäftshaus, Braunschweig

Das Gebäude ist erstmals 1820 urkundlich erwähnt und damals als Schäferkate vor den Toren der Stadt Braunschweig nachgewiesen.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert ist das Gebäude zusammen mit einer Fläche von ca. 5 Hektar von der Familie Heyer erworben, die das Gebäude erstmals als Wohnhaus und gleichzeitig mit Gärtnereibetrieb genutzt hat.

In einem Zeitraum von 50 Jahren ist das Kernhaus dann zweimal erweitert worden. Um 1900 sind an der westlichen Gebäudeseite kohlenbeheizte Anlehngewächshäuser angebaut worden, in den 30er-Jahren an der östlichen Seite eine Homöopathie-Praxis, die mit Vorraum, einem Warte- und einem Behandlungsraum die Nutzfläche im Erdgeschoss um ca. 50 % erhöhte.

Im Zuge des Ausbaus der Schienen- und des Straßenverkehrs Ende der 50er-/ Anfang der 60er-Jahre sind drei städtebauliche Veränderungen durchgeführt worden, die einen großen Einfluss auf die direkte Umgebung des kleinen Hauses hatte.

Zum einen sind die Gleisflächen des Hauptbahnhofs durch Verkauf des Gärtnereibetriebs sehr nah an das kleine Haus herangekommen, zum anderen sind direkt neben dem kleinen Haus fünfgeschossige Wohnungsbauten errichtet worden. Schließlich ist ein großer Teil des verbleibenden Grundstücks durch die Verbreiterung der Straße abhanden gekommen.

Das Gebäude ist schließlich von dem letzten Eigentümer technisch so gegen die Regeln der Technik saniert worden, dass der Rückbau erst die ganze Tragweite des schadhaften Bauzustandes deutlich gemacht hat. Es konnte eine Vergrößerung auf gleichem Grundriss erreicht werden.

Neuer Baukörper auf altem Grundriss

Neuer Baukörper
Fachwerk mit Pfostenriegelfassade, Holzregenrinne und Walmdach
Das Dach über dem Dach über...oder das Prinzip der Schuppung

Von der Farbe über das Licht zum Farblichen

Farbe trägt dazu bei, die architektonische Dimension in ihrer Empfindlichkeit, ihrem poetischen Klang und in ihrer Stimmigkeit zu bereichern. Die technische Präzision der Architektur wird durch die Farbe zum Psychologischen, Menschlichen hin wesentlich erweitert.

In jeder Begegnung mit einem Bauwerk ist Farbe involviert. Der Raum wird vom Betrachter, vom Nutzer in seiner Proportion, Materialität und Oberflächenstruktur wahrgenommen. Die Farbe spricht jeden Menschen in seinem emotionalen Bereich unmittelbar an oder stößt ab. Die Qualität der Farbe wird aber immer noch hinter Aspekten der Energie, der Sicherheit und der oftmals unbewussten Unsicherheit für die Bedürfnisse der menschlichen Empfindungen als entbehrlich angesehen.

Obwohl doch bekannt ist, dass man mit Farbe Räume verändern kann. Wir können verschlossene Räume öffnen, niedrige erhöhen, schmale Räume weiten, dunkle aufhellen und trübe Räume sonnig machen.

Mit dem Farblichen verändern wir Stimmungen, die eigene Stimmung und die von Räumen oder Situationen. Dabei denke ich nicht nur an den geometrischen Raum. Der architektonische Raum ist mehr, er ist, wenn er richtig gestaltet ist, der „GESTIMMTE RAUM“ (Elisabeth Ströker).

Mit Farbe erreichen wir Stimmungen schneller und direkter als mit dem Materiellen. Klänge, Gerüche und Farben rühren uns direkt an.

Vortrag Deutsches Glasmalereimuseum

Ein Dach über einem Dach...

Dachraum
Hängedachkonstruktion
Kaskade
Stapelung
Fenster-Fassadenband an Ecke

Ein Dach ist nach unserem Verständnis das wichtigste Bauteil in der Architektur, zumindest im Wohnungsbau. Bei diesem nachhaltigen Umbau war der Wunsch der Auftraggeberin im Dachgeschoss einen repräsentativen, voll funktionsfähigen Raum zu erhalten. Das Dachtragwerk ist auch deshalb als Hängedachkonstruktion ausgebildet, die Sparren hängen an den zwei neu eingebrachten Fachwerkträgern, die auf Stahlstützen lasten, die in das Holzfachwerk gestellt und selbstständig gegründet sind.

Das Dach ist als gestapelte Konstruktion ausgebildet. Von innen nach außen sind es die folgenden Schichten: vom Innenraum sichtbare Sparren, eine dreilagige, bewehrte Lehmschicht in einer Stärke von 8-10 cm im Sparrenzwischenbereich, eine Massivholzschalung, eine Dampfbremse, eine zweilagige Wärmedämmung mit einer dampfoffenen Folie als äußeren Abschluss, einem Hinterlüftungsquerschnitt von 16 cm einer zweiten Holzschalung, einer dampfoffenen Folie, Konterlatten, Dachlatten und Dachziegeln.

Durch den sehr großen Hinterlüftungsquerschnitt wird die Energie im sommerlichen Wärmefall ständig durch den natürlichen Auftrieb und das Nachströmen kühlerer Luft aus der Dachkonstruktion herausgeführt bzw. am Eindringen in die Konstruktion gehindert. (Schornsteineffekt) Die Amplitudenverschiebung ist deutlich größer, was zu sehr angenehmen, niedrigen Temperaturen im Sommer führt.

Die Küche als Wohnraum

Der zweitgrößte und von den sieben Familienmitgliedern meist genutzte Raum dieses Hauses ist die Küche. Hier wird gekocht, gegessen, gefeiert, gelesen, gespielt, hier werden die Freunde des Hauses und die Gäste empfangen. Hier findet das kollektive Leben statt.

Damit alle Familienmitglieder und auch Freunde und Gäste bei den Essensvorbereitungen mithelfen können sind drei unterschiedlich hohe Arbeitsflächen vorgesehen.

Die Anordnung der Arbeitsflächen des Kochblocks und des Esstisches, an dem 10–12 Personen Platz finden, ist so einfach wie praktisch und letztlich so gewählt, dass man sich während des Gemüseputzens und der anderen Essensvorbereitungen ansehen und miteinander reden kann.

Sämtliche Essensvorräte sind in einem Hauswirtschaftsraum hinter der Treppe untergebracht. Auf diese Weise sind sie aus der Küche verschwunden aber mit wenigen Schritten erreichbar, was mitunter als willkommene Abwechslung bei den langen Handarbeiten genutzt wird, die im Stehen verrichtet werden. Damit gewinnt der Raum Qualitäten zurück, die ihn zum Wohnen und Leben für die ganze Familie auszeichnet.

Das Holzfachwerk ist mit farbigem Putz sogenannter Tadelakt ausgefacht. Das Wort kommt aus dem Arabischen und bedeutet mit dem kleinen Stein verdichtet. Es ist ein in zwei Lagen aufgebrachter Putz, mit Kalkzement als  Unter- und einem hochhydraulischem Oberputz. Mit dieser Technik entsteht der Eindruck, als wären Natursteine in das Fachwerk passgenau gefügt, was den archaischen Gesamteindruck und die davon ausgehende Kraft im Raum unterstreicht.

Der Raum verträgt durch seine große Höhe große Personenmengen, ohne das Gefühl der Enge zu erzeugen. Er weicht vom Standard einer Küche deutlich ab und ist als Wohnraum Mittelpunkt des Hauses.

Der Stahlträger ist Zeichen und markiert als Verstärkung der vorhandenen Tragstruktur das Ende des Walmdachs der historischen Schäferkate und der später angebauten und zu Wohnzwecken umgenutzten Anlehngewächshäuser.

Polyvalenz der Bauteile

Die Pfostenriegelfassade ist optimiert im Hinblick auf die maximale Tageslicht- und Sonnenenergieausbeute. Die Fassade ist als Mischkonstruktion aus Holz und Aluminium entworfen und konstruiert.

Im Innenraum wird sie als Teil des Raumes wahrgenommen und nicht als technisches Element. Die geringen Kosten im Vergleich zu Standardkonstruktionen haben schließlich den AG überzeugt.

Der Raum hat an den Schmalseiten transparente Raumabschlüsse, was dem Raum eine klare Orientierung und eine Ausweitung gibt. Die Ausblicke in den öffentlichen Raum des Bürgersteiges sind reduziert möglich, das Tageslicht modelliert den Raum mit seiner Dynamik und versetzt ihn in eine Farbigkeit, dass Besucher sich wie im Urlaub fühlen.

Die Treppe ist Nutz- und Funktionsmöbel, Bauteil und durch das Holz Teil der Wand. Der Durchgang ist minimiert und variiert.

Konstruiert aus preiswertem Plattenmaterial, das üblicher Weise als Verpackungsmaterial verwendet wird. Das Buchenholz als gefaltete Fläche von Tritt- und Setzstufen veredelt es gewissermaßen.

Fenstertür mit Festverglasung
selbstkonstruierte Pfostenriegelfassade
Treppenfügung
Bestand
Umbau
Bestand
Umbau
Bestand
Umbau
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